#31

RE: Konsumenten These

in The Scene 14.07.2012 19:17
von Justin Beaver • Forumsgott | 3.112 Beiträge

In der Tat eine alte Diskussion.

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#32

RE: Konsumenten These

in The Scene 14.07.2012 21:29
von siraqua | 34 Beiträge

Was sind denn bitte Feierabendmods? Generell ist es doch schwierig zu sagen, ob der ein oder andere Mod ist. Für mich ist das mit Einstellung verbunden und sowas erfährt man dann auch nur im Gespräch mit den Leuten..

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#33

RE: Konsumenten These

in The Scene 15.07.2012 16:37
von Justin Beaver • Forumsgott | 3.112 Beiträge

Da haste ja auch recht. Ich bin da vielleicht etwas extrem. Modernismus ist für mich eine totale, 100%ige Angelegenheit. Ich dachte halt irgendwann mal, das ich der einzige bin, dem das so geht. Und irgendwann hab ich in Gesprächen gemerkt, dass es für die meisten Leute doch so ist, dass sie ihre ganz eigene Auffassung davon haben, worum es bei dem Modkram geht.

Die jüngeren sind halt oft etwas verkrampft damit, und manchmal auch nicht unbedingt tolerant gegenüber Außenstehenden.

Im Alter werden aber fast alle, wenn sie denn überhaupt auch bei der Szene bleiben, etwas lockerer.

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#34

RE: Konsumenten These

in The Scene 15.07.2012 17:14
von Justin Beaver • Forumsgott | 3.112 Beiträge

noch was zum Phänomen "Hipster":

http://www.spex.de/2012/01/11/die-%C2%BB...t-und-phanomen/

Den dort erwähnten Mailer-Text hatte dieser komische Kevin wohl mal im alten Forum gepostet.

Zum Thema Konsumverweigerung oder vielmehr Verweigerungshaltung im Allgemeinen empfehle ich noch die uralte Melville-Erzählung "Bartleby the Scrivener". Da standen die Beats sehr drauf. Ginsberg hat sich und seine Clique wohl auch mal als "Bartlebys" bezeichnet. Hat aber alles nicht so viel mit Mod zu tun. Zumindest nicht direkt.

Den Mods wird ja immer wieder ungezügelter Konsum vorgeworfen, bzw. ein ganz auf den Konsum ausgerichteten Lebensstil. Das ist allerdings meines Erachtens auch eine typische Soziologenmeinung, die natürlich nur an einzelnen, aus dem Zusammenhang gerissenen Aussagen von pubertären Jugendlichen festgemacht wird...

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#35

RE: Konsumenten These

in The Scene 15.07.2012 20:20
von siraqua | 34 Beiträge

Justin Beaver und alle anderen, ich finde sehr vieles interessant, was du in den letzten zwei Posts geschrieben hast. Ich gehöre zu den Nachwuchs-Mods (Anfang 20) und bin in vielerlei Hinsicht irritiert. Für mich stellt sich folgendes Problem dar. Heute bedient sich das Modegeschäft vieler älterer, ich sage mal, Retro-Mittel. Zwangsweise sehen wir sicherlich auf der Straße desöfteren, vor allem hier in Berlin, Leute mit Chelsea Boots, Chukka Boots oder Desert Boots, mit einer recht eng geschnittenen Hose oder auch einer Sta-Prest, nem Button-Down-Hemd und nem sportlichen Dreiknopf-Sakko. Äußerlich können wir diese "Art" sicherlich zu den Mods zählen, hingegen muss dies ganz und gar kein Mod sein. Ja, im seltensten Fall wird dies ein Mod sein, denn dieser "Art" fehlt die Stetigkeit und die Ideologie. Denn: am nächsten Tag wird sogenannte Art vielleicht mit Nike Air Max und ganz anderen Sachen rumlaufen. Modsein adé. Nur das lässt sich ja alles schwer beurteilen, wenn man solche Leute eben nur vorübergehend sieht. Für einen Abend, eine Sekunde im Vorübergehen oder nicht.

Zur Ideologie:
"Modernismus ist für mich eine totale, 100%ige Angelegenheit.", sagst du, Justin Beaver. Im Weiteren rufst du aus: "Die jüngeren sind halt oft etwas verkrampft damit, und manchmal auch nicht unbedingt tolerant gegenüber Außenstehenden." Erkläre mir bitte dein Nichtverkrampftsein im Hunderprozentigen! Ich gehe davon aus, dass Mod eine gewisse Grundideologie haben muss. Ich erwarte dann aber auch, von jedem Mod, dass er diese Grundideologie in sich trägt, um sich Mod zu nennen. (Btw: nennt sich der Mod Mod? Im Gegensatz zum Hipster.) Da ich in den Anfängen bin, frage ich viel, um diese Grundideologie zu verstehen. Ich bin auch der Meinung, dass es gewisse Regeln im Kleiden gibt. Ich kann daher absolut nicht verstehen, wie Danie4K im Threat über "Socken" mich aufruft, das zu tragen, was mir gefällt. Ich habe Interesse am Mod-Dasein, am Smarten, an der Ideologie einer Bewegung der unteren Schicht. Es gefällt mir. Nur die Rahmenbedingungen muss ich eben näher kennen lernen und es muss diese geben! Und die Modkreise sollten auch meines Erachtens geschlossen zu diesen Rahmenbedingungen halten....

Soweit meine Ansätze.

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#36

RE: Konsumenten These

in The Scene 15.07.2012 21:42
von Berman | 330 Beiträge

@siraqua: Ich denke der Justin hat dass mit der 100%igen Angelegenheit auf sich bezogen und nicht auf alle!

Bei dem Sockending,nimm es mir nicht übel, hast du dir ein wenig selber auf den Schlipps getreten ;)
Dani4ka hat schon recht wenn er meint du solltest deinen eigenen Stil finden, stell dir mal vor alle würden das selbe anziehen nur weil es ein "MUSS" ist...
schlimme Vorstellung, jedenfalls für mich

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#37

RE: Konsumenten These

in The Scene 15.07.2012 21:55
von Dani4ka • Forumsgott | 1.076 Beiträge

Also nur weil ich meine, du sollst deine Socken selber auswählen(was mir meine Mutter übrigens schon einige Jahre früher gesagt hat) sag ich dir damit ja nicht, dass du tragen kannst was du möchtest und damit dann trotzdem noch Mod bist.
Natürlich gehört ein gewisser Stil dazu, aber doch wohl auch die eigene Kreativität. Nicht einfach blind konsumieren und nachahmen, sondern bewusst für dich das Passende finden und möglicherweise auch noch erweitern.

Und blabla. Heutzutage ist das ganze ja eh nur noch eine Hommage an die Sechziger und die paar Jahre der Modströmung. Du hast heutzutage nicht mehr die Möglichkeiten das Ganze so durchzuziehen wie früher. Du kannst heutzutage nichtmehr jeden Tag die Woche gut weggehen, die Szene ist nicht mehr 14-20, die Roller können sich nur noch alte Männer leisten und dann muss man die Teile auch noch mit Helm fahren, die Mode und auch die Musik der Szene haben sich stark verändert, unsere Beweggründe sind wahrscheinlich andere und verdammt ... du kriegst ja nicht mal dieselben Drogen wie früher!


You know me - I'm acting dumb. You know the scene - very humdrum. Boredom.

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#38

RE: Konsumenten These

in The Scene 15.07.2012 22:37
von Justin Beaver • Forumsgott | 3.112 Beiträge

Zitat von siraqua im Beitrag #35
Justin Beaver und alle anderen, ich finde sehr vieles interessant, was du in den letzten zwei Posts geschrieben hast. Ich gehöre zu den Nachwuchs-Mods (Anfang 20) und bin in vielerlei Hinsicht irritiert. Für mich stellt sich folgendes Problem dar. Heute bedient sich das Modegeschäft vieler älterer, ich sage mal, Retro-Mittel. Zwangsweise sehen wir sicherlich auf der Straße desöfteren, vor allem hier in Berlin, Leute mit Chelsea Boots, Chukka Boots oder Desert Boots, mit einer recht eng geschnittenen Hose oder auch einer Sta-Prest, nem Button-Down-Hemd und nem sportlichen Dreiknopf-Sakko. Äußerlich können wir diese "Art" sicherlich zu den Mods zählen, hingegen muss dies ganz und gar kein Mod sein. Ja, im seltensten Fall wird dies ein Mod sein, denn dieser "Art" fehlt die Stetigkeit und die Ideologie. Denn: am nächsten Tag wird sogenannte Art vielleicht mit Nike Air Max und ganz anderen Sachen rumlaufen. Modsein adé. Nur das lässt sich ja alles schwer beurteilen, wenn man solche Leute eben nur vorübergehend sieht. Für einen Abend, eine Sekunde im Vorübergehen oder nicht.

Zur Ideologie:
"Modernismus ist für mich eine totale, 100%ige Angelegenheit.", sagst du, Justin Beaver. Im Weiteren rufst du aus: "Die jüngeren sind halt oft etwas verkrampft damit, und manchmal auch nicht unbedingt tolerant gegenüber Außenstehenden." Erkläre mir bitte dein Nichtverkrampftsein im Hunderprozentigen! Ich gehe davon aus, dass Mod eine gewisse Grundideologie haben muss. Ich erwarte dann aber auch, von jedem Mod, dass er diese Grundideologie in sich trägt, um sich Mod zu nennen. (Btw: nennt sich der Mod Mod? Im Gegensatz zum Hipster.) Da ich in den Anfängen bin, frage ich viel, um diese Grundideologie zu verstehen. Ich bin auch der Meinung, dass es gewisse Regeln im Kleiden gibt. Ich kann daher absolut nicht verstehen, wie Danie4K im Threat über "Socken" mich aufruft, das zu tragen, was mir gefällt. Ich habe Interesse am Mod-Dasein, am Smarten, an der Ideologie einer Bewegung der unteren Schicht. Es gefällt mir. Nur die Rahmenbedingungen muss ich eben näher kennen lernen und es muss diese geben! Und die Modkreise sollten auch meines Erachtens geschlossen zu diesen Rahmenbedingungen halten....

Soweit meine Ansätze.



Berman und Daniil bringen schon beide ein paar wichtige Punkte. Was ist denn Mod und/oder Mod(ern)ism? Die Frage kann man ganz unterschiedlich beantworten. Für die einen sind es Motorroller, Klamotten, Platten und Pillen... Also ganz materialistisch betrachtet Konsumgegenstände.
Diese Dinge können aber auch etwas darüber hinaus bedeuten: Tempo, Tanz, tolle Lieder und ein turbulenter Lebensstil.... (Entschuldige meinen kurzen Kreativitätsausbruch mit diesen umwerfenden Alliterationen.) Da kann jeder was anderes für einsetzen. Aber das bedeutet nicht, dass man diese Zeichen ganz willkürlich mit Bedeutung füllen kann.

Für andere wieder ist Mod einfach nur so eine Jugendbewegung, die seit der New Wave vor mehr als dreißig Jahren immer wieder ein Revival hat.
Das ist auch keine vollkommen falsche Sichtweise, wenn man Mod an der "Modszene" festmachen will. Aber da gibt es ja noch etwas anderes. Du sprichst von einer Grundideologie. Das Wort "Ideologie" ist mir an dieser Stelle vielleicht etwas zu "schwer", aber du hast schon recht. Es gibt schon etwas, was dahinter steckt. Nun, was macht das Mod-Sein aus? Pete Meaden hat es als "clean living under difficult circumstances" definiert... obwohl er das selbst mit dem "clean" sein nicht so ganz geschafft hat...

Für mich persönlich ist es wirklich etwas totales, etwas 100%iges... Das kommt manchen sogar fast faschistisch vor. Andererseits bin ich, in politischer Hinsicht 100% Antifaschist. Und extrem locker. Denn darum geht es auch bei Mod. Auch wenn einem der eine oder andere vielleicht etwas steif vorkommen kann, ist das ein Eindruck der täuscht. 100% Mod bedeutet für mich auch 100% locker.

Damiil hat recht, wenn er "zum Individualismus aufruft" (ignorieren wir mal kurz dieses Life of Brian Paradox)... denn darum ging es den Original-Modernisten. Kleidung war Ausdruck der Persönlichkeit, so sehr das jetzt irgendwie nach 70er-Jahre-Lehrer-Geblubber klingt. Es ging um Distinktionsgewinn. Dieses "I'm Not Like Everybody Else". Auch um Abgrenzung innerhalb der Szene. Das hab ich, trotz all den Momenten von Gemeinschaftsgefühl (bis hin zu negativen Aspekten der Gruppendynamik) bisher in jedem Gespräch mit anderen Mods mitgekriegt: Man will etwas ganz besonderes sein. Keine anonyme Nummer in der Masse. Jeder findet seine eigene Antwort auf dieses seelenlose Roboterdasein zu dem uns diese verfluchte Moderne nunmal verdammt hat, und wirklich leben kann man eben nur mit Soul, und eine Antwort auf die Moderne finden, kann man nur, wenn man eben bestimmte Aspekte der Moderne umarmt. Dazu kann auch ein gewisser Hedonismus und Eskapismus gehören...

Was die Regeln betrifft, so sollte man diese kennen (lernen)! Das tut man am Besten in dem man mit wachen Augen durch die Welt geht. Und wenn man die Regeln kennt, dann kann man auch als nächstes erlernen, wie man die Regeln bricht. Nur so gibt es Veränderung.


zuletzt bearbeitet 15.07.2012 22:40 | nach oben springen

#39

RE: Konsumenten These

in The Scene 15.07.2012 22:48
von Dani4ka • Forumsgott | 1.076 Beiträge

Kevin ... ähh, Justin, guter Beitrag.


You know me - I'm acting dumb. You know the scene - very humdrum. Boredom.

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#40

RE: Konsumenten These

in The Scene 15.07.2012 23:01
von Justin Beaver • Forumsgott | 3.112 Beiträge

Vielleicht schon e bissi zu filosofisch...

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#41

RE: Konsumenten These

in The Scene 15.07.2012 23:05
von Beherenow | 218 Beiträge

Wie lange hast du daran geschrieben ?

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#42

RE: Konsumenten These

in The Scene 15.07.2012 23:14
von Justin Beaver • Forumsgott | 3.112 Beiträge

6 oder 7 Minuten waren es bestimmt. Hab ja eben noch die Cash-Doku auf Arte geguckt...

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#43

RE: Konsumenten These

in The Scene 16.07.2012 10:21
von Justin Beaver • Forumsgott | 3.112 Beiträge

Das klingt vielleicht jetzt alles etwas übertrieben und schon leicht "esoterisch".

Es ist andererseits natürlich völlig normal, dass man Anfang erst einmal all die typischen Mod-Sachen haben muss:

Parka, check!

Perry, check!

501, check!

Desert Boots, check!

3-Knopf-Anzug, check!

....

Bis man halt seine ganze Liste mit Modklamotten, Modplatten usw. abgehakt hat und bis man mal alles zusammen hat, was man als Mod eben so "braucht".

Wenn man all diese lebenswichtigen Dinge kennt, fällt einem so langsam auf, dass das auch nur Sachen sind, die aus bestimmten, ganz unterschiedlichen Gründen Bestandteil des Modstils geworden sind. Dass die jungen Modernisten um 1960 noch gar keine Checkliste gehabt haben können, weil es dieses Komplettpaket damals noch gar nicht gab. Und dann dämmert einem, dass es bei "Mod" vielleicht überhaupt nicht um "Modklamotten", "Modschuhe" und "Modmusik" und "Modstil" geht, sondern eben um gute Klamotten, schöne Schuhe usw....

Also um Stil überhaupt!

Wenn ich dann mal auf der Straße einen Passanten entdecke, der den Look hat, dann kann ich mich auch einfach darüber freuen, eine stilvoll gekleidete Person zu sehen, und ich muss mich dabei gar nicht unbedingt fragen, ob diese Person überhaupt in ihrem Leben mal etwas von "Mod" gehört hat, oder ob sie zu unserer Szene gehört.

Genau so ist es auch mit guter Musik: Ich freue mich einfach, wenn ich guten Jazzmusikern zuhören kann, wenn ich mal eine schöne Soulnummer oder einen guten Popsong höre, oder auch mal über eine anständige oder unanständige Punkrock- oder Garagenband...

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#44

RE: Konsumenten These

in The Scene 16.07.2012 10:37
von Beherenow | 218 Beiträge

That's it

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#45

RE: Konsumenten These

in The Scene 16.07.2012 10:44
von Justin Beaver • Forumsgott | 3.112 Beiträge

Ich glaube ja auch, man kann eigentlich gar kein Mod werden. Man merkt halt einfach irgendwann, dass man einer ist!

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