#1

Mod-Artikel bei Wikipedia

in The weird sides of modernist life 20.04.2015 15:36
von Justin Beaver • Forumsgott | 3.112 Beiträge

Das trifft es:

Der ganze Artikel ist ein ziemlicher Witz, die Abschnitte erzählen in nettem Plauderton Wahrheiten, die völlig verallgemeinernd den Lebensstil des "Mods an sich" darstellen wollen und noch dazu alle wie aus dem Film "Quadrophenia" abgeschrieben erscheinen, der nun wirklich keine gute bzw wissenschaftliche Quelle ist. Da müssten schleunigst Quellen und Belege aufgezeigt werden, sonst ist das alles ziemlich wertlos.

http://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:Mod_%28Subkultur%29


If attending a teenage party, or in fact one of any other kind, I’d naturally wear my sharpest, coolest ensemble - possibly even my ivy-league outfit a GI got for me last year from his PX.

Young, good looking, crew cut, Ivy League, advertising exec type fruit holds the door back for me. I am evidently his idea of a character …

I wear ivy league jackets, white buckskin shoes// so many tickets down the scene honey....
nach oben springen

#2

RE: Mod-Artikel bei Wikipedia

in The weird sides of modernist life 20.04.2015 17:36
von Beatler90 • Lichtgestalt | 705 Beiträge

Den Artikel kann man aber auch wirklich vergessen. Historisch einfach Müll. Muss auch ehrlich sagen: So sehr ich Quadrophenia bis heute als Film verehre, verfluche ich ihn doch auch weil er der breiten Masse ein historisch doch an vielen Ecken extrem falsches Bild der Mods präsentiert.
Mal ganz davon abgesehen, dass ich es mehr als nur ein bisschen rassistisch finde, dass natürlich der ''black guy'' die Drogen an die weißen Kids verkauft - ein weiteres Klischee das der Film da bedient.


Look, I don't wanna be the same as everybody else. That's why I'm a Mod, see? I mean, you gotta be somebody, ain't ya, or you might as well jump in the sea and drown. (Jimmy Cooper, Quadrophenia)
nach oben springen

#3

RE: Mod-Artikel bei Wikipedia

in The weird sides of modernist life 22.04.2015 13:02
von Justin Beaver • Forumsgott | 3.112 Beiträge

Ja, du hast schon recht. Der Film ist voller Klischees. Das mit dem schwarzen Dealer ist mir auch übel aufgestoßen.

Es gibt auch eine ganze Menge kleinerer und größerer Fehler im Film:

Er spielt 1964, was man etwa an den Riots, die erwähnt werden (Margate, Clacton...) und die gefilmt werden (Brighton) sieht. Die Who hießen damals noch High Numbers und hatten bloß eine Single raus. Trotzdem steht dort eine Who-LP in einer Szene rum (Hausparty, beim Plattenspieler), und es wird "My Generation" aufgelegt, was auch erst ein Jahr später rauskam.

Manche von den Statisten haben wohl auch bloß einen Parka übergehängt bekommen...

Die Massenszenen sind eigentlich gut choreographiert und fotographiert, aber vielleicht ist es auch etwas übertrieben, wie es dargestellt wird.

Die Kostüme sind teilweise recht authentisch, vor allem bei den Hauptcharakteren. Lloyd Johnson und Jeff Dexter hatten dort u.a. bei der Auswahl der Garderobe (und der Musik) geholfen. Die beiden rauften sich aber dann die Haare als sie sahen, dass ausgerechnet ein Seidenanzug, den sie ausgesucht hatten, in einer Prügelszene am Strand draufging. Lloyd meinte wohl sinngemäß, dass die Mods, die solche Anzüge hatten, sich im Leben nicht damit am Strand geprügelt hätten.
Bei den Rockern war die Kostümabteilung wohl noch weniger gründlich: Einige sehen mehr nach Hell's Angels oder 70s Biker aus als nach englischem Rocker aus den frühen 60s. Bärte und Jesusfrisuren waren jedenfalls 1964 für diese Szene sicher nicht typisch. Die sahen wohl mehr nach Marlon Brando oder Gene Vincent aus.

Insgesamt fand ich den Film aber immer ziemlich gut. Ein schönes Porträt der Zeit. Hab ihn wohl dutzende Male geschaut. Aufgenommen auf VHS nachdem er auf Bayern ausgestrahlt wurde.

Ich bezweifele sehr, dass man das heute besser machen könnte. "Brighton Rock" - die Neuverfilmung des Greene-Romans, verlegt in die 60er - soll jedenfalls nicht ganz so toll sein.

Die Modszene kommt natürlich nicht so gut weg in Quadrophenia. Obwohl es dabei wohl eher um allgemeine Dinge geht, die sich an den meisten Jugendsubkulturen kritisieren lassen. Es war wohl so, dass der Film das ganze Revival stark überschattet hat. Einerseits hat er wohl eine große Rolle für viele gespielt, die 1979 ff Mods wurden, und es ist zweifelhaft, ob das Revival ohne den Film überhaupt stattgefunden hätte. Andererseits hatte der Film wohl auch zum negativen Image des Mod-Revivals beigetragen. So mussten sich wohl viele Mods nach 1979 (mehr oder weniger zurecht) vorwerfen lassen, dass sie doch nur Quadrophenia nachspielen wollen. Ein Vorwurf, den sich andere Jugendszenen nicht gefallen lassen müssen.


If attending a teenage party, or in fact one of any other kind, I’d naturally wear my sharpest, coolest ensemble - possibly even my ivy-league outfit a GI got for me last year from his PX.

Young, good looking, crew cut, Ivy League, advertising exec type fruit holds the door back for me. I am evidently his idea of a character …

I wear ivy league jackets, white buckskin shoes// so many tickets down the scene honey....

zuletzt bearbeitet 22.04.2015 13:03 | nach oben springen

#4

RE: Mod-Artikel bei Wikipedia

in The weird sides of modernist life 22.04.2015 13:41
von Justin Beaver • Forumsgott | 3.112 Beiträge

Was den wikipedia-Artikel angeht, dort sind wohl ein paar Fehler mehr drin.

Zum Thema Mods und Klasse etwa habe ich bisher kaum etwas vernünftiges gelesen. Das Thema wird ja auf der Diskussionsseite mit Verweis auf das Barnes-Buch auch angedeutet.

Was mich immer sehr verwundert, sind diese falschen Gegensätze, die so häufig konstruiert werden, oder die falschen Schlussfolgerungen.

Etwa "working class" vs "art school". Als ob nicht auch Jungs und Mädels, die der Arbeiterschicht entstammen, studieren könnten, auch wenn es vielleicht untypisch sein mag. "Upward mobility" ist eigentlich gerade für die Mods kennzeichnend. Und wenn man schon feststellt, dass der Großteil der Mods Wurzeln in der working class hatte, sollte man doch gleichzeitig feststellen, dass es gerade die Mods auszeichnet, dass sie sich eben nicht so verhielten wie man es herkömmlicherweise von Arbeiterjugendlichen erwartete, sondern dass sie den einengenden Rahmen der englischen Klassengesellschaft sprengten. Auf diejenigen, die den Mods zuriefen, dass sie doch "ihren Platz" in der Gesellschaft kennen sollten, reagierten die Mods mit erhobenem Haupt und gerümpfter Nase.

Oder wenn es im Barnes heißt, dass viele der allerersten Mods nicht working class gewesen seien, sondern aus jüdischen Familien aus dem East End kamen und Beziehungen zum "Lumpenhandel" (gemeint ist wohl Kleidung von der Stange) hatten. Das East End ist eine der ganz typischen Arbeitergegenden von London mit vielen Hafenarbeitern. Der Slang, den man dort spricht (Cockney) ist seit eh und je voll mit jiddischen Vokabeln. Jüdisch sein und Working Class schließt sich natürlich nicht aus. Und auch mit einem Kleingewerbe ist man noch nicht "secure middle class"...

Überhaupt trifft man immer wieder auf eine sehr falsche und ziemlich eklige Vorstellung von "working class": Dieses ostentative Geprolle, das viele damit verbinden. Working class heißt aber nicht Prolo.

Man sieht das hier etwa, wenn Danny Dyer den harten Kerl mimt und Mockney redet:

https://www.youtube.com/watch?v=tBVQsHVP3Z0

"Oy, son! Oy, mate!"

Kingstonian dazu bei FNB:

A knobhead presenter with attitude tries to look and sound ‘hard ‘ to fit in with the subject matter.

http://forums.filmnoirbuff.com/viewtopic.php?pid=66438


If attending a teenage party, or in fact one of any other kind, I’d naturally wear my sharpest, coolest ensemble - possibly even my ivy-league outfit a GI got for me last year from his PX.

Young, good looking, crew cut, Ivy League, advertising exec type fruit holds the door back for me. I am evidently his idea of a character …

I wear ivy league jackets, white buckskin shoes// so many tickets down the scene honey....
nach oben springen

Abmelden
Besucher
0 Mitglieder und 1 Gast sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: Caligula6
Forum Statistiken
Das Forum hat 598 Themen und 8906 Beiträge.



Xobor Einfach ein eigenes Xobor Forum erstellen